Mediaforschung

Wie vermarktet man Pillen gegen Liebeskummer, Frau Kowatsch?

Nachfragekolumne

Medien | Sebastian Huber
 | aus FALTER 35/11 vom 31.08.2011

Ein Mädchen kauert weinend auf dem Bett. Plötzlich überreicht ihm eine engelhafte Frau eine Schachtel Amorex, Tabletten gegen Liebeskummer. Die graue Comicwelt wird knallbunt, das Mädchen lächelt. Mit diesem Spot wirbt der Villacher Pharmakonzern Coropharm auf Youtube und Facebook für sein Produkt gegen "Romantic Stress“. Zusätzlich läuft ein Radiospot auf Kronehit.

"Wenn ich Probleme habe, schmeiße ich ein paar Pillen ein und die Welt ist wieder in Ordnung. Das Ganze ist pädagogisch verheerend und erinnert fatal an Drogen“, sagt Bernhard Matuschak, Medizinredakteur beim Magazin Konsument. Die Werbung ziele klar auf eine junge Zielgruppe ab. Problematisch, denn: "Ein Ecstasyhersteller könnte seine Ware nicht besser vermarkten“, so Matuschak.

Für die Werbelinie sei es wichtig, "Menschen bewusst zu machen, dass Liebeskummer ein Problem ist“, erklärt Claudia Kowatsch, zuständig für das Marketing von Amorex. Angesetzt werde werbetechnisch bei der Jugend, da diese "aufgeschlossener“ sei. Vor allem Männer hätten bei Liebeskummer weniger sozialen Rückhalt als Frauen. Amorex biete hier eine Alternative zu "Schnaps und One-Night-Stands“. Auch beim Verlust von "geliebten Tierchen“ helfe die rötliche Pille.

Der Wirkstoff entstammt der afrikanischen Schwarzbohne und wird in der Medizin bei Schlafstörungen, Depressionen und Parkinson angewandt. Da Amorex ein Nahrungsergänzungsmittel ist, darf es keine derartigen medizinischen Wirkungen entfalten. "Bestenfalls eine Placebowirkung“, so Matuschak. Wem das nicht reicht, der muss aufs Jahr 2540 warten. Laut Aldous Huxleys Roman "Brave New World“ gibt es dann für alle Menschen die Droge Soma. Die schwächt Gefühlsschwankungen verlässlich und effektiv.


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