Tabuthema Pädophilie im Film: "Michael“ und andere Fälle aus Österreich

Feuilleton | Maya MccKechneay | aus FALTER 35/11 vom 31.08.2011

Der Mann fährt sein Auto in die Garage. Mit einem elektrischen Surren schließt sich das Schiebetor. Die Rollläden gehen herunter, und erst als die Fassade dicht ist, öffnet er die Tür zum Keller. Markus Schleinzers Regiedebüt "Michael“ ist ein herber, wortkarger Film. Es sind Rituale wie das des Rollladenschließens, aus denen sich der Alltag des 35-jährigen Büroangestellten Michael und seines Gefangenen, des zehnjährigen Wolfgang, zusammensetzt: gemeinsames Essen, Fernsehen, Zähneputzen, und - an Tagen, die Michael mit einem X in seinem Kalender markiert - der im Film nur andeutungsweise dargestellte Missbrauch.

Michael hält Wolfgang in einem Kellerraum gefangen. Ein Bett, ein Regal, ein Bücherbord, ein Waschbecken, ein paar bunte Aufkleber auf den Fliesen - und statt Außengeräuschen das ständige Brummen des Ventilators. Herr über die Elektrik im Haus ist Michael. Nach Belieben betätigt er den Sicherungsschalter. Schaltet er ein, lässt er Wolfgangs Tag beginnen.

"Michael“


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