Ins Mark

Ein steirisches Dorf bei Wikileaks!

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 35/11 vom 31.08.2011

Groß waren die Hoffnungen im vergangenen Dezember, dass geheime Wikileaks-Depeschen uns auch brisante Geschichten über die Steiermark erzählen würden. Über durchgeknallte Islamisten in Graz oder über steirische Firmen, die Gerät zum Bau von Atombomben an Schurkenstaaten liefern.

Seit vergangener Woche wissen wir von zumindest einem heißen Eisen, das die Amerikaner in der Steiermark angepackt haben. Die Rede ist vom weststeirischen Modriach, einem "schläfrigen, kleinen Alpendorf“, das da ins Fadenkreuz der US-Behörden geraten war. Genauer gesagt interessierte man sich für die freiwillige Feuerwehr im Dorf. Die hatte über den Landesfeuerverband eine amerikanische Infrarotkamera erworben. Ob er eh wisse, fragte die eigens angereiste US-Beamtin den FF-Vizechef, dass die Kamera weder verkauft noch exportiert werden dürfe. Dieser erwiderte, dass man gar nicht könnte, zumal man sich nicht als Besitzer, sondern lediglich als Endbenutzer sehe. Schließlich überprüfte die Amerikanerin, wie die Kamera abgesichert ist, und zog wieder ab. Die Depesche nennt auch alle Personen, die Zugriff auf das Rüsthaus haben.

Ein entscheidendes Faktum blieb den USA verborgen - und das in der Ära Bush und ihrem deklarierten Kampf für die Demokratisierung der Welt. Denn Modriach kann nur bedingt als Demokratie bezeichnet werden. 135 gültige Stimmen waren bei den Gemeinderatswahlen 2005 abgegeben worden, 135 hatte die ÖVP bekommen, 2010 waren es 148 und wieder 148 für die ÖVP. Liebe Amerikaner, wie habt ihr das nur übersehen können?


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