Tiere

Falters Zoo | aus FALTER 35/11 vom 31.08.2011

Fliegengewicht

So, Ende mit Ferien, Schluss mit läppischem Gewitzel, jetzt wird wieder ordentlicher Kolumnismus mit Fakten, Zahlen, Check und Cross-Check betrieben.

Passend zum Schulbeginn drängelt sich am 8. September der Weltbildungstag in die erste Aufmerksamkeitsreihe. Laut Unesco können weltweit fast 800 Millionen Erwachsene nicht lesen oder schreiben und 67,4 Millionen Kinder besuchen nie eine Schule.

Auch in Österreich sollen (nach etwas allzu forschen Hochrechnungen) bis zu 600.000 Menschen nicht lesen können. Das kann daran liegen, dass bei uns Kinder nur zur Schule und nicht, wie in Deutschland, in die Schule gehen. Sagen zumindest jene bösen Zungen, die den richtigen Gebrauch von Präpositionen nicht kennen.

Eine weitere beeindruckend große Zahl: Es soll der siebenmilliardste Mensch auf unserer Welt geboren werden. Etwas beunruhigend daran ist der Umstand, dass die Weltbevölkerung Ende 1999 noch um eine ganze Milliarde kleiner war.

Damit dürften wir den bisherigen Gleichstand an Biomasse zwischen Menschen und Ameisen zu unseren Gunsten entschieden haben.

Die Folgen ungebremsten Populationswachstums waren seit dem Mathus’schen Bevölkerungsgesetz im 18. Jahrhundert immer wieder Gegenstand mehr oder weniger korrekter Berechnungen.

1906 versuchte ein Amerikaner die maximal mögliche Anzahl der Nachkommen von einem Paar Stubenfliegen hochzurechnen und kam auf circa 5,5 Billiarden Tiere, welche die Erde angeblich unter einem 15 Meter hohen Fliegentsunami begraben würden. Offenbar war man von dieser apokalyptischen Vision so beeindruckt, dass man erst 1964 das Körpervolumen von Fliegen neu bewertete und man schließlich übereinkam, dass der Fliegen-GAU nur eine Fläche von der Größe Deutschlands bedecken würde.

Aber dank Mutter Selektion bleiben uns solche biblischen Plagen erspart: Eine weibliche Stubenfliege kann etwa 18 Mal im Jahr jeweils circa 1000 Eier legen. Unter optimalen Bedingungen würden also 18.000 neue Fliegen schlüpfen. Doch Räuber, Nahrungsmangel und Krankheiten reduzieren diese Zahl so drastisch, dass im Durchschnitt nur zwei Individuen das fortpflanzungsfähige Alter erreichen. Das heißt: Zwei Fliegen haben im Schnitt zwei Nachkommen. So buchstabieren Evolutionsbiologien den Begriff Fitness. Zumindest für jene, die lesen können.

zeichnung: püribauer.com


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