Fair sein und Auto fahren

Falter & Meinung | aus FALTER 36/11 vom 07.09.2011

Betr.: "Regieren ist nichts für Lulus“ von I. Brodnig und N. Horaczek, Falter 35/11

"Aufstand der Bezirke“ ist nur eine der vielen Headlines, die das Interview mit Maria Vassilakou im letztwöchigen Falter ausgelöst hat. Die Kritiker kommen dabei aus allen angesprochenen Bezirken und aus allen Parteien, was die Vermutung nahelegt, die Verkehrsstadträtin habe ein ehemals heiliges Prinzip der Grünen vergessen, nämlich die Bürgerbeteiligung. Diese Form der nicht abgesprochenen Ankündigungspolitik mag in der Opposition noch funktionieren, in der Regierung aber müssen Entscheidungen gefunden werden, die von einer Mehrheit akzeptiert werden. Dazu muss man zuerst Probleme analysieren, mit den Betroffenen diskutieren, Experten hinzuziehen, dann eine Entscheidung treffen und nicht umgekehrt.

Dabei sind viele der auf den ersten Blick grünen Ziele in der Verkehrspolitik nicht verkehrt. Sie lassen sich in erster Linie durch attraktivere Öffis und eine Verkehrspolitik, die über die Landesgrenzen von Wien hinausblickt, erreichen, nicht aber durch plumpe Klientelpolitik für Radfahrer und gegen Autofahrer. Solange die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer gegeneinander aufgehetzt werden, wird die daraus entstehende Aggression verhindern, dass verkehrspolitische Lenkungsmaßnahmen akzeptiert werden. Wien benötigt daher dringend ein faires Miteinander aller Verkehrsteilnehmer, und um das zu erreichen, muss die Verkehrsstadträtin vermitteln, ausgleichen wollen und mit Kompromissbereitschaft die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.

Um diese Kompromisse sollte sich Maria Vassilakou dringend bemühen, anstatt willkürlich Straßen zu sperren oder wahllos Gebühren und Strafen zu erhöhen und damit den Eindruck zu erwecken, sie wolle nur die Autofahrer schlechter stellen!

Wolfgang Gerstl


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