Meinesgleichen Vor dem Match ist nach dem Match

Falter & Meinung | aus FALTER 36/11 vom 07.09.2011

Bitte rettet unsere Ehre!“ (Österreich). "Voller Einsatz für die Mini-Chance!“ (Heute). "Wie es mit der Euro doch noch klappen könnte“ (Kleine). "Österreich sucht einen neuen Johann Sobieski!“ (Krone). Aha, Fußball, es geht gegen die Türken, Österreich ist objektiv chancenlos, und der Boulevard (man kann auch die sogenannten Qualitätsmedien dazunehmen, keiner würde den Unterschied merken) macht sich wieder an des Österreichers liebste Sportart: die Selbstüberschätzung. Schon vor dem Spiel gegen Deutschland war sie nicht auszuhalten, diese Unfähigkeit, die Dinge einigermaßen nüchtern zu sehen. Wenn man gegen einen Gegner spielt, dessen Spieler Stars in denselben Mannschaften sind, in denen die Österreicher meist nur als Auswechselspieler vorkommen, dann sind die Rollen klar verteilt, sollte man meinen.

Was hindert uns Österreicher daran, uns selber richtig einzuschätzen? Im Sport wie im richtigen Leben? Im richtigen Leben neigen wir dazu, uns zu unterschätzen. Im Sport neigen wir zum Gegenteil. Unsere ökonomische Leistung wird von Fachleuten gewürdigt, aber von der Öffentlichkeit herabgewürdigt. Wenn wir so weitermachen, sind wir morgen tot. Schuldenstaat und Skandalrepublik scheinen kaum überlebensfähig. Im Sport dagegen sind wir obenauf. Da schlagen wir Deutschland und die Türkei, da qualifizieren wir uns doch noch für die Euro, da erleben wir gerade, wie das zukunftsfähigste Team von allen entsteht. Zumindest vor dem Match. F

Quellen:

¦ Österreich, Heute, Kleine Zeitung, Kronen Zeitung vom 6.9.2011


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