Kommentar Finanzkrise

Man hüte sich vor Währungshütern, die Panik verbreiten

Falter & Meinung | aus FALTER 36/11 vom 07.09.2011

Richard Wimmer

Es ist knapp zwei Monate her, da wurden 91 europäische Banken einem Stresstest unterzogen. Anhand hypothetischer Szenarien wurde durchgespielt, wie eine Bank für den Krisenfall - Einbruch von Wirtschaft und Aktienmärkten, höhere Zinsen für frisches Geld - gerüstet ist. Wer im schlimmsten Fall nicht mindestens fünf Prozent hartes Kernkapital übrig hatte, ist durchgefallen. Bloß acht Banken waren im roten Bereich. Das war beruhigend.

Doch die Ruhe währte nicht lange. Völlig unerwartet ruft nun die neue Chefin des Währungsfonds Christine Lagarde nach einer Zwangskapitalisierung europäischer Banken. So ungefähr 200 Milliarden Euro Eigenkapital würden fehlen, schätzt sie ins Blaue. Klar ist, zahlreiche europäische Banken haben Staatsanleihen in ihren Büchern, deren Wert letztlich davon abhängt, ob die Euro-Rettungsmaßnahmen erfolgreich sein werden. Selbst die beste Glaskugel der Welt wird darauf keine befriedigende Antwort liefern können.

Der Ruf nach Zwangskapitalisierung schürt Ängste. Durch diese "Prophezeiung“ wird genau jene Zukunft herbeigeführt, die vermieden werden sollte: Misstrauen gegen Banken und der Banken untereinander. Schockstarre und Kreditklemme.

Die Konsequenz ist: Die Staaten müssten die Geldhäuser dann wieder auffangen. Wenn sich diese die Rettungspakete dann noch leisten können. Oder wird dann der IWF die Kohlen aus dem Feuer holen?

Diskret und im Hintergrund den Brand löschen, wenn bei rauer See Rauch aus einer Kabine quillt, anstatt "Feuer“ zu rufen. Das würde man sich von einem Retter erwarten, der auf der Hut ist, nicht jemand wie Lagarde, sondern jemand à la garde eben. F


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