Die Telekom und der Osten: Die größten Brocken könnten noch bevorstehen

Politik | aus FALTER 36/11 vom 07.09.2011

:: 18 Millionen Euro. Um so viel Geld könnte die Telekom laut eigener Berechnung betrogen worden sein. Vorwürfe der Kursmanipulation und Korruption stehen im Raum. Bei der Summe handelt es sich freilich gleichsam um einen Zwischenstand.

In sie eingerechnet sind bereits 72.000 Euro, die der Konzern im Jahr 2005 via Hocheggers Agentur Valora (siehe oben) an Ex-FPÖ-Verkehrsminister und -Parteiobmann Mathias Reichhold gezahlt haben soll. Das berichtet das Magazin News. Reichhold, für den die Unschuldsvermutung gilt, bestätigt die Zahlung. Er will sie allerdings für ganz legale Beratungen im Zusammenhang mit der EU-Präsidentschaft Österreichs 2006 erhalten haben.

Nicht eingerechnet in die 18 Millionen Euro hingegen sind mögliche Unregelmäßigkeiten bei Zukäufen der Telekom in Osteuropa. Hinweise darauf sollen bei aktuellen Ermittlungen aufgetaucht sein.

2005 und 2007 kaufte der Konzern Tochterfirmen in Bulgarien und Weißrussland; ein dritter Deal in Serbien scheiterte. Als Türöffner fungierte jeweils der Wiener Milliardär Martin Schlaff. Er sollte die schwierigen lokalen Verhältnisse klären, bevor die teilstaatliche Telekom einstieg. Ein Konsortium rund um Schlaff kaufte etwa die bulgarische Mobiltel für weniger als eine Milliarde Euro 2002 - und verkaufte sie 2005 um 1,6 Milliarden an die Telekom. Hubert Gorbach, der die damaligen Deals politisch unterstütze, wurde nach Ende seiner Politikerkarriere Aufsichtsrat in der Schlaff-Firma RHI und schwärmte noch 2010 vom "höchsten Niveau“ der Demokratie in Weißrussland.

Nun soll eine Task-Force des Telekom-Aufsichtsrats die Ostgeschäfte prüfen. Außerdem wird laut ÖIAG-Chef Markus Beyrer ein internationales Wirtschaftsprüfungsteam die bisherigen Telekom-Vorwürfe - die mutmaßlichen Korruptionsfälle Gorbach und Reichhold sowie die Kursmanipulation - unter die Lupe nehmen.

Dass der Schaden am Ende mehr als 18 Millionen Euro betragen wird, damit darf gerechnet werden. Joseph Gepp


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