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Das Mittelalter kann zurückkehren

Politik | aus FALTER 36/11 vom 07.09.2011

"Wir müssen zurück zur Freiheit oder vorwärts in die Sklaverei“, schrieb der große englische Denker Gilbert Keith Chesterton. Zurück zur Freiheit kann auch heißen, einen Blick in die Vergangenheit werfen, um von dort in die Zukunft zu blicken. Ein berühmter Landsmann von Chesterton, Englands Weltkriegspremier Winston Churchill, hat vor 66 Jahren eine Rede über die Zukunft Europas gehalten, die wieder Gültigkeit hat in einer Zeit, in der die scheinbaren Zwänge der Finanzmärkte die Europäische Union zu zerstören drohen.

Churchill sprach ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs an der Universität in Zürich, dass die Nazis Europa um ein Haar ins "finstere Mittelalter mit seiner Grausamkeit und seinem Elend“ zurückgeführt hätten. Und warnte seine Zuhörer: "Meine Herren, es kann noch immer zurückkehren.“

Mit der präzisen Nüchternheit eines begnadeten Realpolitikers nimmt Churchill die Schritte zur Erschaffung der Europäischen Union vorweg. Großbritannien sah er übrigens nicht als Teil dieses Gebildes, sondern gut im Commonwealth aufgehoben.

Nichtsdestotrotz schien ihm der Zusammenschluss der europäischen Staaten als richtiger Schritt, um "die Menschen aller Rassen und aller Länder aus Krieg und Knechtschaft“ zu erretten. Um die Aktualität dieses Gedankens zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit und zu ihrer Verheißung auf Freiheit.

Wolfgang Zwander


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