Literatur

Zehn Jahre danach | aus FALTER 36/11 vom 07.09.2011

"Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch“, behauptete Theodor W. Adorno in seinem 1949 verfassten Aufsatz "Kulturkritik und Gesellschaft“ apodiktisch. Natürlich entstanden trotzdem weiterhin Gedichte.

Als die Twin Towers fielen, wurde Adornos berühmter Satz wieder häufig zitiert und auf 9/11 umgemünzt. Die Frage, die die Kommentatoren beschäftigte, lautete aber nicht so sehr, ob man die Katastrophe literarisch darstellen konnte, sondern wie das am besten anzustellen sei. Dem Gedicht wurde dabei praktisch keine Bedeutung mehr beigemessen. Dafür ließen die ersten 9/11-Romane nicht lange auf sich warten.

Mit dem Ex-Werber Frédéric Beigbeder hat sich ein Franzose als einer der ersten Autoren an einen Roman über die Anschläge gewagt. "Windows on the World“ (2003) spielt hoch oben im World Trade Center, im gleichnamigen Aussichtsrestaurant. Als Leser beobachtet man eine zufällig zusammengewürfelte Menschengruppe in ihren letzten beiden Stunden. Nicht nur der quasi-pornografische


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