Religion

Zehn Jahre danach | aus FALTER 36/11 vom 07.09.2011

Ach, was war das im Rückblick für eine schöne Zeit vor dem 11. September 2001! Klar, es gab noch Religionen. Klar, es gab noch religiöse Menschen. Und klar, es gab auch politische Konstellationen, in denen Religion eine Rolle spielte: in Polen, wo die katholische Kirche eine bestimmende Kraft im antikommunistischen Widerstand war. Politische Evangelikale in den USA. Islamische Fundamentalisten, von Afghanistan bis Algerien. Aber es war kein großer Trend.

Denn der ging in Richtung Säkularisierung, oder zumindest war das Feld des Religiösen klar abgesteckt: als private Sache des einzelnen Gläubigen. Die öffentliche Wirksamkeit des Religiösen schien seit Jahrzehnten abzunehmen. Selbst da, wo politische oder nationale Spannungen sich auch entlang religiöser Konfliktlinien sortierten, kam kaum jemand auf die Idee, sie zu religiösisieren. Nicht einmal im Nahostkonflikt war es üblich, den territorialen Streit zwischen Israelis und Palästinensern in übertriebenem Maße als jüdisch-muslimischen


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