Enthusiasmuskolumne Diesmal: Die beste Filmtrailer der Welt der Woche

Jack und Maria fahren Dodge

feuilleton | aus FALTER 36/11 vom 07.09.2011

Fast lautlos braust das weiße Dodge Cabrio des spanischen Autobauers Barreiros eine schattige Allee entlang. Man hört kaum den Motor. Maria Schneider räkelt sich auf der Rückbank aus knallrotem Leder. Jack Nicholson sitzt am Steuer, wendet den Kopf, grinst ihr nach hinten zu. Man spürt förmlich den Fahrtwind. Bewegung ist alles, der Weg schon das Ziel.

Jack und Maria, die sich erst unlängst kennengelernt haben, befinden sich auf halber Strecke von Barcelona nach San Ferdinando. "Ich habe nur eine Frage“, sagt Maria da, "und es ist immer die gleiche: Sag mir, wovor du davonläufst.“ - "Setz dich verkehrt herum“, antwortet Jack ihr, "und schau.“ Und wir sehen, wie Maria sich umdreht und schaut.

Gegen die Fahrtrichtung, also hinter ihnen, rücken die Alleebäume optisch wie zu einer Mauer zusammen; in der Fahrtrichtung scheinen sie rechts und links aus der Leinwand zu fallen. "Michelangelo Antonioni lässt dieses Bild so lange stehen“, hat der Kritiker Martin Schaub darüber geschrieben, "bis sich der Sinn wort- und fraglos mitteilt: ein Epigramm.“

"Professione: Reporter“ (1975) beschreibt, wie die meisten Filme des italienischen Regisseurs, die Geschichte einer Flucht. Obige Szene daraus soll die Neugier wecken auf "Drifter“, die aktuelle Retrospektive des Österreichischen Filmmuseums, bei der während der kommenden vier Wochen so unterschiedliche Werke wie "Vogelfrei“ von Agnès Varda, "Crash“ von David Cronenberg, "Im Lauf der Zeit“ von Wenders, "Mad Max 2: The Road Warrior“ oder eben "Professione: Reporter“ gezeigt werden.

Freilich kann man in der Szene auch eine Metapher auf das Kino sehen und im Blick zurück eine Zeit, in der internationale Medienkonzerne (im vorliegenden Fall etwa MGM) noch vorsätzlich Kunst produzierten. Filme wie jene Antonionis liefen damals ganz normal im Kino an, oft auch mit beträchtlichem Erfolg - nicht nur bei der Kritik, sondern auch beim Publikum.

michael Omasta


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