Stadtrand Urbanismuskolumne

So hässlich kann Wasser doch gar nicht sein!

Stadtleben | Matthias Dusini | aus FALTER 36/11 vom 07.09.2011

Jetzt, wo der ärgste Hitzedurst vorbei ist, kann man es ja sagen: Die freundlicherweise von den Wiener Wasserwerken zur Verfügung gestellten Brunnen sind einfach potthässlich. Sie schauen aus, als wären sie in einem Turnhallenduschraum der 80er-Jahre abgeschraubt und dann Am Graben wiederaufgebaut worden. Und das, nachdem die Bawag-Zentrale demoliert wurde, die früher die postmoderne Achse zwischen Sozialdemokratie, Ornament und Funktionalismus repräsentierte.

Auch im Augarten ist die Marke Wiener Wasser derzeit präsent. Am schönsten Ort der Stadt stehen Infosäulen, die an den Messestand eines Atomkraftwerks erinnern. Sie informieren über die fantastische Qualität des Leitungswassers, aber so, als ob es vergiftet wäre. Und das, obwohl Wasser zu den existenziellsten und lieblichsten Assoziationen anregt: zu einer Quelle, einem Bach oder Wasserfall. Mit der Zunge einen Regentropfen schmecken, den Kopf in einen Brunnen stecken. So denkt man beim Wiener Wasser halt eher an eine Atomkraftwerkstoilette. F


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