Kunst Vernissage

Beseelte Materie: Der Tanz der Skelette

Lexikon | aus FALTER 36/11 vom 07.09.2011

Candida Höfer: "Ethnologisches Museum Berlin III“, 2003

Daria Martin: "Soft Materials“

Der westliche Rationalismus mit seinen starren Trennungen von Kultur und Natur, Geist und Materie, Subjekt und Objekt, hat seit seinen Anfängen viele Gegner. Als "Animismus” wurde in der Vergangenheit eine Art von Geisterglauben bezeichnet, demzufolge die Dinge der Natur beseelt seien. Forscher beschrieben während des Kolonialismus bei sogenannten Naturvölkern diese Form der Religion, die gleichzeitig zur Herabstufung als "primitiv“ diente. Die Ausstellung "Animismus. Moderne hinter den Spiegeln“ in der Generali Foundation geht nun der Kritik nach, die in der Anthropologie am herkömmlichen Konzept des Animismus geübt wird. Die von Kurator Anselm Franke ausgewählten Positionen gehen auf unterschiedliche Weisen der Aufweichung der modernistischen Grenzziehungen nach. Dabei wird auch das Museum als Institution hinterfragt, in dem Objektivierungsprozesse stattfinden. In Candida Höfers Architekturfotografien von ethnografischen Sammlungen werden historische Traditionen des Sammelns und Archivierens deutlich. Der US-Künstler Jimmie Durham ist in seiner Installation "The Dangers of Petrification“ der westlichen Vorstellung von Stein als "toter Materie“ nachgegangen, in der er auch dem Museum als Ort der Konservierung nachgeht.

Auch ein Disney-Film wird in der Schau gezeigt: "The Skeleton Dance“ von 1929, der die Regeln der Animationsfilmproduktion deutlich macht, wird parallel zu dem im selben Jahr entstandenen Aboriginesfilm "Tusalava“ gezeigt, der als "primitivistisches“ Werk galt. Viel Recherche ging der 2010 entstandenen Videoinstallation "Assemblages“ von Angela Melitopoulos und Maurizio Lazzarato voraus, das sich auf die geistigen Spuren des Philosophen und Psychotherapeuten Félix Guattari begibt. NS

Generali Foundation, Do 19.00; bis 29.1.


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