Film Noch im Kino

Drop the Ego in Bayern: "Sommer in Orange“

Lexikon | aus FALTER 36/11 vom 07.09.2011

Chaoten und Konservative, am Dorf prallen Welten aufeinander

Berlin im Jahr 1980: Die 12-jährige Lili lebt mit ihrer Mutter Amrita und ihrem kleinen Bruder in einer Sannyasin-Kommune. Als Siddharta, der Freund ihrer Mutter, einen Bauernhof in Bayern erbt, zieht eine zehnköpfige Gruppe nach Talbichl. Doch während die Erwachsenen sich pudelwohl fühlen, halbnackt im Garten tanzen und ein Therapiezentrum aufbauen, ergeht es Lili wie einem orange gewandeten Fremdkörper im Land der weißen Trachtenblusen. Von ihren Mitschülern gemieden und im Trubel der Bauernhof-WG vernachlässigt, sehnt sie sich nach dem "normalen“ Leben ihrer neuen Nachbarn, deren beschaulich-konservative Dorfgemeinschaft von den Sannyasins ordentlich vor den Kopf gestoßen wird.

Drehbuchautorin Ursula Gruber verarbeitet mit "Sommer in Orange“ ihre Kindheit in einer Bhagwan-Kommune: Der Film ist ihre "‚Versöhnung‘ mit dem Heranwachsen im Chaos“. Regisseur Marcus H. Rosenmüller hat eine warmherzige leichte Komödie gedreht, die augenzwinkernd und berührend Vor- und Nachteile des Kommunenlebens aus der Sicht eines Kindes zeigt. Mit dem Verhalten der egozentrisch-zerbrechlichen Amrita wird die Notwendigkeit einer geborgenen Kindheit in den Mittelpunkt gerückt, doch bezieht der Film darüber hinaus für keine der beiden aufeinandertreffenden Lebensweisen Position.

Trotz aller Komik gibt "Sommer in Orange“ sein Thema niemals der Lächerlichkeit preis, sondern hinterfragt verschiedene Konzepte menschlichen Zusammenlebens. Mit überzeugenden Schauspielern (allen voran Amber Bongard als Lili, Petra Schmidt-Schaller als Amrita und Georg Friedrich als Siddharta), lebendigen Charakteren und einem schönen Soundtrack weiß er jedenfalls gut zu unterhalten.

SABINA ZEITHAMMER

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