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Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 37/11 vom 14.09.2011

In diesem Haus gibt es gute und schlechte Tage, und es gibt Sonntage. Als der gemeine Wiener draußen zur Mittagszeit den womöglich letzten Sommersonntag genoss, als er sich mit einem schmelzenden Twinni in Händen auf die Wiese nebst die Donau legte, wo Pärchen einander zulächelten, Kinder kreischten und es nach Sonnenmilch roch, gerade da betrat Wolfgang Zwander schweren Schrittes und durstiger Kehle das Büro und sagte: "Ich gehe auf der Zahnseide.“

Joseph Gepp lächelte milde. Soeben von einer Bulgarien-Safari heimgekehrt, saß er schon seit Stunden hier und hatte nur "die Geschichte“ im Kopf, so wie an jedem Sonntag jener verwelkenden Jahreszeit, die sie draußen Sommer nennen. Als dann Nicole Scheyerer vergnügt zur Tür hereinspazierte und mit einem kräftigen "Streber!“ grüßte, konnte sie gar nicht ahnen, wie schmal die Zahnseide war, an der die Nerven der Anwesenden hingen.

Frau Koc ist da aus Erfahrung behutsamer. Wenn sie bei der Türe hereinfegt, um zu fragen, ob sie die drei Kaffeetassen und die beiden überquellenden Aschenbecher mitnehmen könne, und wir, ohne aufzusehen, bloß "Nein, nein, Tesekkür“ sagen, dann schüttelt Frau Koc nicht einmal mehr den Kopf. Denn das geht seit Jahren so.

Und wenn wir alle Hunger leiden und es an der Zeit wäre, den Kurden unseres Vertrauens heimzusuchen, trauen wir uns nicht zu gehen. Denn wir wissen: Es wird einer dieser letzten Sommersonnensonntage sein, an dem wir die Arbeit niederlegen, um kurz essen zu gehen, und nie wieder zurückkehren. Und fortan wird uns jeder Tag ein Sonntag sein.


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