Vor 20 Jahren im Falter

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 37/11 vom 14.09.2011

Kindereien

Der berühmte Geiger Sándor Végh gab im zarten Alter von 79 Jahren (er hatte noch bei Kodály studiert) sein Debüt als Dirigent der Wiener Philharmoniker. Albert Seitlinger gegenüber klagte Végh, es werde im Konzertsaal nicht mehr improvisiert, und sagte unter anderem: "Ich bin ein Mensch, ergo habe ich auch meine Fehler. Lassen Sie mir meine Fehler. Diese sterile Fehlerlosigkeit ist nicht immer das Richtige. Ich glaube, da spielt das Kind eine große Rolle, der Naturmensch. Das Kind hat es in sich. Wie oft sehe ich Kinder, zu denen die Großmutter oder die Großtante zu Besuch kommt und zu denen man sagt: ‚Also gib der Tante X einen Kuss.‘ -‚Nein!‘ Es will nicht, weil die Schwingungen, seine Vorstellungen nicht mit denen der Tante X korrespondieren. So ist es auch in der Musik. Die Musik muss man lieben, und wenn das Kind in uns verschwindet, dann hat alles, was ich gesprochen habe, keinen Sinn.‘“

So ist es. Willi Trimmel schrieb über die wirtschaftspolitischen Anforderungen nach dem Ende der Sowjetunion: "Die ‚großen Sieben‘ haben 1990 500 Milliarden Dollar für Rüstung ausgegeben. Wozu? Eine ordentlich ausgehandelte Friedensdividende könnte die Grundlage für eine globale Reformpolitik sein, die unter Einbeziehung der Dritten Welt die Institutionen von Bretton Woods neu verhandelt und so auch zu einer Regelung des internationalen Finanzsystems beitragen würde. Zukunft bitte, nicht futures.“ Leider hörte niemand auf den Falter.

Auch eine Mitteilung von Andreas P. Pittler blieb folgenlos. Der berichtete, der sowjetische Außenminister Edward Schewardnadse habe seinen österreichischen Amtskollegen Leopold Gratz gebeten, die "leidige Stalin-Tafel“ doch abzumontieren, nur noch im albanischen Tirana und in Stalins Geburtsort Gori gebe es so was. Gratz habe geantwortet, der Staatsvertrag untersage dies. Und da war man - siehe Ortstafeln - penibel. So hängt sie denn noch heute, die Stalin-Tafel (in Wien 12., Schönbrunner Schloßstraße 30). AT


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