Am Apparat

Warum sind Sie fürs kleine Glücksspiel, Herr Schmid?

Telefonkolumne

Interview: W. Zwander | Politik | aus FALTER 37/11 vom 14.09.2011

Neue Runde in der Kontroverse um das kleine Glücksspiel: Seit Tagen gibt es einen Gesetzesentwurf aus dem Ressort der zuständigen Stadträtin Ulli Sima (SPÖ), der trotz heftigen Widerstands der roten Basis und gegen den dezidierten politischen Willen des grünen Koalitionspartners kein Verbot der einarmigen Banditen vorsieht. Argumentative Schützenhilfe für Sima kam nun ausgerechnet vom Jugendanwalt der Stadt Wien, Anton Schmid. Der Falter fragte, warum.

Herr Schmid, kurz nachdem sich die Wiener Grünen gegen das kleine Glücksspiel aussprachen, ließen Sie via Aussendung wissen, dass ein Totalverbot nichts bringe. Warum?

Ich habe nicht auf die Grünen reagiert, sondern auf die zunehmende mediale Berichterstattung. Vom Standpunkt der Jugend aus betrachtet ist ein totales Verbot sehr problematisch, weil sich dann das Glücksspiel in die illegalen Hinterzimmer verlagert, wo man überhaupt nicht mehr kontrollieren kann, was da passiert. Gespielt wird immer, das haben wir in anderen Städten beobachtet. Und mehr als 40 Prozent der Spieler in Wien haben mit der Zockerei als Minderjährige begonnen.

Fehlt in Wirklichkeit nicht schon heute jede Kontrolle der vielen kleinen Spielhallen, die vor allem in den ehemaligen Arbeiterbezirken aus dem Boden schießen?

Es ist ganz klar, die Einzelkammern müssen verboten werden. Gespielt soll nur werden, wo effizient kontrolliert werden kann, also in größeren Spielsalons und in den Casinos.

Sie haben das Verbot der einarmigen Banditen mit der gescheiterten Alkoholprohibition in den USA verglichen. Hinkt dieser Vergleich nicht ein bisschen?

Wir müssen akzeptieren, dass wir in keiner perfekten Welt leben. In allen Gefängnissen der Welt sind Drogen verboten, aber es gibt keines ohne. Das gilt auch fürs Glücksspiel, weshalb wir es wenigstens möglichst transparent halten müssen.


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