Nation der Streber

Politik | Schulinspektion: Ingrid Brodnig / Warschau | aus FALTER 37/11 vom 14.09.2011

Die Polen sind Bildungsaufsteiger. Sie haben ihre Schule reformiert, holen bei Pisa auf und ernten europaweit Lob. Können wir davon etwas lernen?

Deutschstunde, Stille. Keiner meldet sich, alle weichen den Blicken des Lehrers aus. Der hat gerade gefragt, wo die Jugendlichen in den Sommerferien waren. "Joséphine, was hast du gemacht?“

Joséphine, zweite Reihe, lange blonde Haare, zögert. Dann sagt die 14-Jährige Wort für Wort: "Ich ... war ... in Frankreich ... bei meiner Oma.“ Pause. "Dort ... bin ich viel ... gereitet ... nein, geritten!“, korrigiert sich das Mädchen. Der Lehrer nickt und ruft den Nächsten auf.

Der Unterricht findet nicht in Deutschland, sondern an einem Warschauer Gimnazjum statt. Alle Schüler der 3D tragen ein weißes Hemd und eine blaue Krawatte, ihre Schuluniform. Der Unterricht wirkt elitär. Das polnische Gimnazjum ist aber kein Bildungshort des Bürgertums. Es ist die polnische Gesamtschule, alle Kinder gehen ins Gimnazjum.

Die Polen sind Streber. Sie


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