Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Wolfgang Zwander | Politik | aus FALTER 37/11 vom 14.09.2011

Der wütende Priester Roux

Kollektive Wut als Antrieb für politisches Handeln ist keine neue Erscheinung, sondern seit jeher fixer Bestandteil von Protestbewegungen. Zur Zeit der französischen Revolution gab es in etwa die Enragés ("die Wütenden“), eine Splittergruppe der Jakobiner, die nicht nur politische, sondern auch soziale Gleichheit erkämpfen wollte. Der gebürtige Österreicher und mittlerweile verstorbene DDR-Historiker Walter Markov hat über den Anführer der Enragés, den Priester Jacques Roux, eine Biografie geschrieben. In Markovs Werk wird die Gruppe sehr detailreich und wohlwollend als "proletarischer Flügel“ der Revolution beschrieben. Roux und seine Anhänger forderten die Enteignung der Grundbesitzer und die Herstellung "echter Gleichheit“. Um ihre Ziele zu erreichen, drängten sie auf eine Ausweitung der Terrorherrschaft, was aber selbst vielen Jakobinern zu weit ging. Robespierre ließ Roux verhaften, woraufhin dieser, seiner Hinrichtung zuvorkommend, im Gefängnis Selbstmord beging.

Walter Markov: Die Freiheiten des Priesters Roux. Leipziger Universitätsverlag, 2009, 431 S., € 49,-


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