Mediaforschung

Warum bezeichnen Sie uns als "Bi“, Frau Haider-Merlicek?

Nachfragekolumne

Katharina Mittelstaedt | Medien | aus FALTER 37/11 vom 14.09.2011

Wer schon seit Längerem auf der Suche nach seinem Bi-Ich ist, hat jetzt eine Anlaufstelle - die Drogeriekette Bipa. Bislang eher für in grellem Neonlicht in Szene gesetzte Billigschminke bekannt, soll die Marke durch die neue Kampagne der Werbeagentur Demner, Merlicek und Bergmann ab sofort ganz andere Assoziationen hervorrufen: "Individualität, Spaß, Spontanität und dass es nicht ein begabter Retouching-Artist ist, der dich schön macht, sondern du“, sagen die Kreativdirektoren Rosa Haider-Merlicek und Sebastian Kaufmann.

Aus diesem Grund wurde für den ungewöhnlichen Werbespot eine Party im 25-Hours-Hotel organisiert, auf der gefilmt und fotografiert wurde. Das Ergebnis: stressig aneinandergereihte Feierszenerie, unterbrochen von eingeblendeten Sujetfotos und - missverständlichen Slogans.

"Bi Styled“ steht da zum Beispiel in knallrosa Lettern über dem Bild eines Lookalikes von Vetter It (engl. für "Es“) der Addams Family. Ein bewusstes Spiel mit (bi-)sexueller Konnotation oder einfach schlechtes Englisch? "Das ist Lautschrift“, klärt Haider-Merlicek das Mysterium auf. Sei entworfen! - demnach übersetzt, so die plausible Aussage.

Die gute Erklärung hatscht jedoch bei einem anderen der aufblitzenden Schriftzüge: "Bi Party“. Sei ein Fest? Dann wohl doch eher die Bi-Party. "Zum Dreh eingeladen war eine bunte Mischung des Freundes- und Bekanntenkreises aller Beteiligten“, sagt Kaufmann. Wobei sich die Freunde der Kreativdirektoren wohl von denen der durchschnittlichen Bipa-Kundin unterscheiden: Zu sehen sind ausschließlich gertenschlanke, großgewachsene Mittzwanzigerinnen.

Über einem Grüppchen solcher steht "Bi You“. Ob es sich hierbei um die Aufforderung zum Selbstsein oder eine Unterstellung handelt, bleibt offen.


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