Zeit am Schirm

TV-Kolumne


Matthias Dusini
Medien | aus FALTER 37/11 vom 14.09.2011

Wer letzte Woche auf 3sat den Themenschwerpunkt "Anklage: Missbrauch“ gesehen hat, war auf den Schmerzenstag 9/11 eingestimmt. Am heftigsten reagierten die Spiegelneuronen bei Christoph Röhls Doku "Und wir sind nicht die Einzigen“ über den sexuellen Missbrauch von Schülern an der deutschen Odenwald-Schule. Dieses Gymnasium galt als Musterbeispiel der Reformpädagogik, bis ein Schüler beschloss, seine schrecklichen Erlebnisse an die Öffentlichkeit zu bringen.

Im Film treten er und einige Kameraden vor die Kamera. Vor Gericht müssen Missbrauchsopfer ihr Leiden inszenieren, um glaubwürdig zu wirken. Umso schockierender war der nüchterne Tonfall, in dem diese Zeugen ihren Albtraum reflektierten, umso überzeugender die Anklage gegen die bis heute unbestraften Täter. Röhl verzichtete darauf, die auf Genauigkeit bedachten Stimmen mit suggestiven Bildern empathisch zu grundieren. Ein finaler Blick in den Duschraum genügte, und der Schrecken war da.


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