Enthusiasmuskolumne

Frau Björk ins Handwerk pfuschen

Diesmal: die beste Medienkunstanwendung der Welt der Woche

Feuilleton | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 37/11 vom 14.09.2011

Man muss die Musikerin Björk nicht unbedingt mögen. Ihre sperrigen Lieder, das schräge Gejaule, ihr komischer Akzent, den sie beim Singen kultiviert, der einen bloß nicht ihre isländische Herkunftskultur vergessen lassen soll. Diese seltsamen Kostüme, die sie bei öffentlichen Auftritten oder in Videoclips trägt - aufdringliche Outfits, die signalisieren: Hier ist jemand ganz schön in der Artsy-fartsy-Welt daheim. Björk paart aufgesetzt Verweigerungshaltung mit Exzentrik und ein bisschen Schabernack.

Aber: Irgendwie ist Björk immer wieder auch ziemlich faszinierend (vergleichbar mit etwas ganz Abstoßendem, das man auch immer wieder anschauen muss). Vor allem aber ist die Frau stets ganz vorne mit dabei, wenn es um neue Technologien geht. Das macht sie so modern.

Björks neues Album "Biophilia“ soll Anfang Oktober erscheinen. Ganz normal. Zudem aber ist "Biophilia“ auch das erste "App-Album“ der Welt. App ist die Kurzform von application, Anwendung also - wer ein iPhone besitzt, weiß, wovon die Rede ist. Besitzer des iPad ebenfalls.

Die können bereits jetzt die "Biophilia“-App auf ihre Tabletcomputer laden. Vier Songs gibt es bereits um 1,59 Euro pro Stück zu kaufen.

Ach, was heißt Songs! Kleine digitale Kunstwerke sind das, was sich Björk und ihre Medientechniker da ausgedacht haben. Mit Daumen und Zeigefinger navigiert man durch Klanggalaxien und kehrt bei den bislang bewohnten Planeten "Crystalline“, "Virus“, "Cosmogony“ und "Moon“ ein. Auf Planet Mond gibt es einen Sequenzer, mit dem man das Esoterikliedchen verändern und seinen eigenen Mondsong schaffen kann. Die Anwendung zu "Crystalline“ lässt den User mit dem iPad durch virtuelle Röhrensysteme rasen und Kristalle sammeln. Kindisch. Cool.

Es empfiehlt sich übrigens, Kopfhörer zu tragen. Erstens klingt "Biophilia“ so besser, und zweitens nervt man sein Umfeld so nicht mit seinem manipulierten Björk-Gedudel.


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