Vielleicht haben sich die Krieger auch nur verzettelt

Stadtleben | Appell: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 37/11 vom 14.09.2011

Angekündigte Klebolutionen finden nicht statt: Der Pariser Post-it-War ist doch nicht nach Wien gekommen. Noch nicht

Angefangen hat alles vor ein paar Wochen im Gebäude einer Computerspielefirma in Paris. Dort machten sich kreativ begabte und offenbar unterbeschäftigte Angestellte daran, Figuren aus der Spielewelt, Mario, Pacman und Co., mit bunten Post-it-Zetteln an ihre Bürofenster zu kleben; jedes Post-it ein Pixel.

Menschen in den Büros vis-à-vis dürften das als Kriegserklärung gelesen haben und konterten ebenfalls mit pixeligen Motiven an ihren Fenstern: Die Bilder aus Paris verbreiteten sich rasch über soziale Netzwerke. Irgendwo entstand in Windeseile eine zwei Stockwerke hohe Obelix-Figur.

Wie das so ist, geriet der "Post-it-War“ genannte Hype in die Medien, Onlinezeitungen berichteten, das Fernsehen kam. Schon kursierten Fotos von Zettelbildern aus anderen Städten. In Amsterdam, Stockholm, Brüssel hieß es: Kleben und kleben lassen. Und in Wien? Tat sich erstaunlich wenig. Einige machten harmlose Botschaften oder Blümchen an ihre Privatfenster, das große Wiener Werk blieb aus.

Auch bei Wientourismus kam niemand auf die Idee, schnell ein paar Leute zu bezahlen, Klimts Kuss oder Dürers Feldhasen mit Haftnotizpapier riesig an gläsernen Bürofassaden zu covern. Fotos davon wären um die Welt gegangen; der Werbewert unbezahlbar gewesen. Nicht einmal die Tatsache, dass just zum internationalen Zettelwahnsinn die Diskonterkette Hofer Post-it-Generika im Angebot hatte, die so ein temporäres Kunstwerk sogar leistbar machen, änderte etwas an der Lethargie in der Stadt.

Wahrscheinlich hat 3M, das Unternehmen hinter dem Post-it, diesen "Krieg“ ohnehin nur angezettelt, um seinen Absatz zu steigern. Es ist zu vermuten, dass die ganze Sache bei uns einfach mit etwas Verzögerung beginnt.

Immerhin: Auf der Neubaugasse liefern sich schon ein paar Geschäfte Zettelschlachten. Gut, dass wir uns rechtzeitig mit Munition eingedeckt haben. Lasst uns bitte kleben!


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