Tiere

Weichspüler

Falters Zoo | aus FALTER 37/11 vom 14.09.2011

Ich erinnere daran nur ungern, aber das Ende ist nah! Die Gärtnereien ändern jetzt ihr Sortiment auf Kränze, und der Grablichtverkauf erreicht schwindelnde Höhen. Da macht man sich schon Gedanken über einen passenden Abgang. Lange Zeit gab es nur die Wahl zwischen Erd- und Feuerbestattung, wobei man als letztes Zeichen vergehender Individualität seine Asche entweder originell verstreuen oder zu einem Diamanten verarbeiten lassen konnte. Aber die Bestattungsindustrie überrascht mit neuen Konzepten.

Eine schwedische Biologin hatte sich 2002 eine Methode patentieren lassen, die die Annehmlichkeiten der Gefriertrocknung mit dem Nutzen der Kompostierung verbindet: Promession. Dabei wird der Körper in flüssigen Stickstoff eingefroren, dann zu organischem Granulat zerkleinert und schließlich als Dünger eingeackert. Nicht so ökologisch dabei ist der Energieverbrauch, der rund drei Tonnen in einem Kraftwerk verbrannter Steinkohle entspricht.

Für wirklich umweltbewusste Menschen gibt es jetzt eine andere Methode, die ursprünglich für die Tierkadaverentsorgung entwickelt wurde: alkalische Hydrolyse. Klingt nicht nur … ähh, interessant, sondern ist auch nachhaltig: Dabei sollen um ein Drittel weniger Treibhausgase als bei einer normalen Verbrennung entstehen, man benötigt nur ein Siebentel der Energie, und quecksilberhaltige Zahnplomben lassen sich entfernen. Dazu wird die Leiche in eine Kaliumlauge eingelegt und unter hohem Druck und Hitze zu einer Art Suppe eingekocht, in der noch Knochenreste schwimmen. Mr. Sullivan, der Gründer der Betreiberfirma Resomation Ltd., meint dazu: "Die Knochen werden in einem Cremulator zu Staub zerrieben, und die Flüssigkeit kann man bedenkenlos in der öffentlichen Kanalisation entsorgen.“ Vielleicht sollte das Unternehmen doch noch einen PR-Berater für die Bewerbung dieser Bestattungsmethode beiziehen, denn möglicherweise ist die Welt noch nicht so weit, dass sich die Hinterbliebenen um eine Toilette versammeln und dann feierlich auf einen Spülknopf drücken.

An die weit über hundert Tierarten, insbesondere Fliegen und Käfer, die uns Menschen seit Jahrtausenden auf bewährte traditionelle Methode nach dem Ableben transformieren, hat da natürlich wieder niemand gedacht.

There’s just one kind of favor I’ll ask for you

You can see that my grave is kept clean

Bob Dylan

Zeichnung: püribauer.com


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