Theater  Kritiken

Überleben als U-Boot: Angst und Langweile

Lexikon | aus FALTER 37/11 vom 14.09.2011

Dorothea Neff (1903-1986) war nicht nur eine legendäre Volkstheaterschauspielerin, sondern auch eine "Gerechte unter den Völkern“. Als solche wurde sie von Yad Vashem ausgezeichnet, weil sie in der NS-Zeit vier Jahre lang die Jüdin Lilli Wolff versteckt hatte. Das Volkstheater gab bei Felix Mitterer ein Stück über Dorothea Neff in Auftrag, mit dem jetzt die Saison eröffnet wurde. "Du bleibst bei mir“ ist ein Melodram: Der Preis für das gerettete Leben ist die Liebe zwischen den beiden Frauen, die der erzwungenen Nähe nicht gewachsen war.

Die Hauptrollen sind stark besetzt: Als Dorothea Neff kehrt Andrea Eckert nach Jahren wieder ans Volkstheater zurück; sie spielt eine toughe, kühle, recht unnahbare Frau, die ihr Leben nicht nur aus Liebe, sondern auch aus Prinzip aufs Spiel setzt. Und Martina Stilp macht als Lilli Wolff deutlich, dass das U-Boot-Dasein nicht nur mit Todesangst, sondern auch mit grenzenloser Langeweile verbunden war. Dass auch die Aufführung mäßig spannend ist, liegt eher an Mitterers allzu biederer Vorlage und an Michael Sturmingers getragener Inszenierung. Bleibst du bei mir? Diese Frage werden dem Volkstheater zur Pause nicht alle Besucher bejahen. WK

Volkstheater, Sa 19.30, So 15.00, Mi, Do 19.30


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