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Teufelei und Weltpremiere: "Animismus im Film“

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 37/11 vom 14.09.2011

Bevor das frühe Kino zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts sittlich und ästhetisch in den bürgerlichen Rahmen eingepasst wurde, hatte es quasi Narrenfreiheit. Die Anstandswächter hatten noch andere Sorgen und kümmerten sich nicht um das "primitive“ Kino, dass seine Attraktionen von den Jahrmärkten und den Vaudeville-Theatern entlehnte. Kein Wunder, dass Jahrzehnte später der avantgardistische Film sich gerne auf die Filmpioniere der Jahrhundertwende berief, wenngleich das "Early Cinema“ nicht in Opposition zur bürgerlichen Kunst, sondern neben ihr entstand.

Wie stark diese Beziehung noch heute ist, zeigt der erste Teil der von Wilbirg Brainin-Donnenberg kuratierten Filmschau "Phantome. Metamorphosen. Animismus im Film“, die im Rahmen der Ausstellung "Animismus. Moderne hinter den Spiegeln“ (Generali Foundation) zu sehen ist: Der spanische Trickfilmer Segundo de Chomón, der sich vor allem durch seine fantastischen Miniaturen und ein ausgeklügeltes Färbungssystem einen Namen machte, wurde von der kanonisierenden Filmgeschichte und Georges Méliès leider ins Abseits gedrängt. Nun können seine kleinen Teufel(eien) wie der großartige "El hotel eléctrico“ von 1908 wiederentdeckt werden (Live-Musik: Billy Roisz).

Im Anschluss feiert Martin Arnolds Film "Self Control“ seine Weltpremiere: Einmal mehr fördert Arnolds kinematografische Grabungsarbeit ("Reanimated“) Verdrängtes zutage, diesmal zerlegt er eine Cartoon-Sequenz aus den 1940er-Jahren in ihre Einzelteile und lässt weiße Hände und eine rote Zunge auf das sich in Sicherheit wiegende Publikum los. Ein Quergeist wie Trickfilmer Segundo de Chomón hätte daran sicher seine große Freude gehabt.

Im Filmcasino, So 13.00 + 15.00 (Gespräch von Sabine Folie mit Martin Arnold im Anschluss)


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