Film Tipp

Crossover mit Überdaddy: "Cowboys & Aliens“

Drehli Robnik | Lexikon | aus FALTER 37/11 vom 14.09.2011

Als neulich ein Trailer zu "Cowboys & Aliens“ im Kino lief, meinte ein Mann im Saal, diesen Titel habe sich wohl ein Kind ausgedacht. Na ja, warum auch nicht? Warum nicht ein Genrehybridblockbuster als Traumkombination, von kindlich-kindischen Gemütern für ebensolche erdacht? (Dem Steampunk-Western "Wild Wild West“ gelang 1999 etwas in dieser Art mit Cowboys und Monstermaschinen.)

Sieht man aber den Film, so zeigt er sich weniger kindlichem Wollen als väterlichem Sollen verpflichtet. Auf den noch frischen Hufspuren von "True Grit“ g’ritten kommt Harrison Ford als autoritäres Old-School-Raubein zum Trotzdem-Liebhaben, wie es jüngst Jeff Bridges (und vor ihm John Wayne) spielte: ein Fall von Fehlbesetzung. Auch das Lakonische, die offenen Szenen, die Kauzkomik - womit die Coen-Brüder und ihr rezenter Western auf hohem Niveau nerven, das setzt "C&A“ nicht wirklich durchschlagend ein. Breit forciert ist der Kontrast zwischen blauen Strahlen, bösem Gerät, monströsen Leibern von Außerirdischen und der brauntönigen Knorrigkeit des von ihnen heimgesuchten Wildwestkleinstadtmilieus.

Mit dem Flair heiserer Stimmen und verhärteter Mienen (ganz im Element: Daniel Craig), im Wechsel mit Alienentführungstraumaflashbacks und nicht weiter störenden Actionszenen, wuchert ein Plot um symbolische Vaterschaft, Adoption, Tradition: Ein Sohn wird abgestraft, einer verröchelt mit rührend gemeinten Worten, noch einer treibt Ersatzdaddys Feitel ins formlos-labiale Fleisch eines Aliens. Ein Fall von blade running in male panic; da nützt auch Olivia Wilde als toughes Cowgirl wenig. Die Kollision von Männlichkeit mit "fremder“ Technik, die Jon Favreau in seinen "Iron Man“-Filmen so satirisch inszeniert, erscheint hier auf eine Art, die einst in alten Lagerfeuerlegenden ödipal hieß.

Derzeit in den Kinos (OF im Artis und Haydn)


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