Kritik

Sex, Crime & Shakespeare: Perikles als Peer Gynt

Lexikon | aus FALTER 38/11 vom 21.09.2011

William Shakespeares entstehungsgeschichtlich umstrittenes und kaum gespieltes Stück "Perikles“ gehört dem Genre der "Romanze“ an und ist eine ziemliche Räuberpistole. Der Held wird von einem inzestuösen König verfolgt und erleidet auf der Flucht Schiffbruch; nach seiner Rettung stirbt bei der Geburt seiner Tochter auf hoher See seine Frau (um am nächsten Tag wieder zum Leben erweckt zu werden); die Tochter wiederum wird 15 Jahre später von Piraten entführt und an ein Bordell verkauft.

Im Kasino am Schwarzenbergplatz nimmt Regisseur Stefan Bachmann den Stoff einerseits zum Anlass für einen verspielten Theater-Trip. Zwischen zwei Zuschauertribünen wird die abenteuerliche Story mit betont "armen“ Mitteln (Beleuchtung durch Taschenlampen aus dem Publikum, künstlich hergestelltes Meeresrauschen etc.) und mit einem iranisch-mexikanischen Sänger-Erzähler (Kaveh Parmas), unter ständigem Rollenwechsel der Schauspieler und fast permanenter Untermalung durch einen Livemusiker (Andreas Radovan) dargebracht.

Andererseits soll das Stück hier aber auch eine Parabel auf das Leben selbst sein: "The adventure of the hero is the adventure of being alive“, liest man zu Beginn auf einem Insert. Perikles ist bei Bachmann also auch ein Vorläufer von Ibsens Peer Gynt.

Es gibt an diesem knapp dreistündigen Abend immer wieder schöne, witzige Einfälle; es fehlt aber der Groove, der sie zusammenhält. Die Inszenierung ist weder so mitreißend, um einen erzählerischen Sog zu erzeugen, noch offen genug, um abzuheben. Am stärksten ist sie am Schluss, wenn anstelle des im Stück vorgesehenen Happy Ends nur der verwahrloste alte Perikles (Rudolf Melichar) zu sehen ist, der sich das Ende herbeifantasiert, ehe er sich zum Sterben hinlegt. WK

Burgtheater-Kasino, Do (22.9.) 19.00


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