Kritik

Mumok: Auf der Suche nach edlen Spendern

Lexikon | aus FALTER 38/11 vom 21.09.2011

Wenn Direktoren öffentlicher Museen heutzutage shoppen gehen möchten, steht ihnen meist nur ein schmales Geldbörsel zur Verfügung. Angesichts schrumpfender Ankaufsbudgets sucht auch Karola Kraus, die neue Leiterin des Museums moderner Kunst (Mumok), nach Mäzenen. In den letzten Monaten wurde das Mumok renoviert, umgebaut und um ein minimalistisch gestyltes Kino erweitert. Das Haus eröffnete zum zehnjährigen Jubiläum mit der Sammlungsausstellung "Museum der Wünsche“, die durch 110 Jahre Kunstgeschichte führt.

Die Schau möchte die Museumskollektion in einem neuen Licht erscheinen lassen. Sie setzt mit den klassischen Avantgarden ein - so weit, so bekannt. Bei der Kunst der 60er- und 70er-Jahre wurde die Trennung in westliche und östliche Kunstgeschichte unterwandert, wenn etwa der New Yorker Robert Barry und die Rumänin Geta Bratescu als Vertreter konzeptuell-performativer Strömungen gezeigt werden. Vollständig in den Hintergrund tritt diesmal der Wiener Aktionismus, der durch Ankäufe in den letzten Jahren eigentlich auf eine unübersehbare Größe angewachsen ist. Ist das Fehlen als programmatisch oder als temporäre Auslassung zu betrachten? Statt Blut- und Schweißperformance bietet die jetzige Ausstellung amerikanische Coolness zuhauf, denn die strenge Reduktion des US-Minimalismus liegt ganz auf der Linie von Direktorin Kraus. Unter den 250 Werken befinden sich auch 37 mit dunklen Schildern gekennzeichnete Arbeiten, die das Museum in Zukunft gerne besitzen würde. Dan Flavin, Franz West oder Isa Genzken lauten nur einige der ausgewählten arrivierten Positionen, mit denen Sammlungsakzente ergänzt werden sollen. Teuerstes Werk: ein marktrarer Blinky Palermo von 1966 um drei Millionen Euro. NS

Mumok; bis 8.1.


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