Kritik

Passion für Säulenheilige und dezente Gesten

Lexikon | Matthias Dusini | aus FALTER 38/11 vom 21.09.2011

Jedes Jahr findet in der Secession eine von einem externen Kurator konzipierte Gruppenausstellung statt. Heuer wurde der Schweizer Moritz Küng beauftragt. Das Ergebnis ist eine optisch elegante, inhaltlich vertrackte Schau, die den Respekt des Kurators vor der Geschichte des Hauses und seine Leidenschaft für dezent arbeitende Künstler ausdrückt.

Der Titel "Die Fünfte Säule“ bezieht sich auf die Renovierung der Secession 1985. Die Säulen im Hauptraum wurden damals von dem Architekten Adolf Krischanitz mit Chrom und Messing verkleidet - als Hommage an die Architektur Otto Wagners. Nach Abflauen der postmodernen Jugendstilmode wurde das Blech weiß überpinselt. In den 90er-Jahren sollte alles weiß und neutral sein. Krischanitz’ Originalzeichnung erinnert an diesen historischen Bruch.

Mit Heimo Zobernig ist ein Künstler vertreten, der für das Interesse an konzeptuellen und minimalistischen Tendenzen der Wiener Kunst um 1990 steht. Der Kurator wählte ein Objekt von Zobernigs Secessionsschau 1995 aus. Der Beitrag der Spanierin Luz Broto wiederum besteht in der Anweisung, die Temperatur innen sei jener des Außenraums anzupassen. So kann sich die Innenwelt der Kunst nicht mehr - wie durch die Ur-Secessionisten propagiert - von der Außenwelt abschotten.

Wer diese Insiderreferenzen nicht zu deuten weiß, findet sich in einem lässig gestalteten Ambiente wieder. Da ein bisschen braune und graue Wandfarbe von Joëlle Tuerlinckx, dort ein bisschen Sound Art von Cerith Wyn Evans. Fast hätte man Guillaume Leblons goldfarbenes Eckprofil übersehen - wohl eine Hommage an Wagner/Krischanitz. Alles sieht gut aus und zeigt die Secession als gemütliche Institution, die in den würzigen Säften der eigenen Historie schmort.

Secession, bis 20.11.


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