Neu im Kino

Schweizer-Messer-Mord mit Pilz, Stielaugen ohne Stil

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 38/11 vom 21.09.2011

Ein Horrorfilm vom Typ Slasher (serielles Meucheln seinsvergessener Jugendlicher), in dem Twentysomethings sich in den Schweizer Alpen giftpilzinduzierten Trips hingeben, das Ganze in 3 D: Das ist doch a gmahte Wiesn, wie alle Alemannen sagen. Freilich, "One Way Trip“ müsste die Wiesen und Wälder, in die er uns führt, als Schauplatz paranoider Projektionen konsequent nutzen (wie es der vom selben Rauschschwammerlkonzeptplot ausgehende irische Slasherfilm "Shrooms“ 2007 im Moor versucht hat). Doch bald spielt der Film in einem Försterhaus und in einer Dunkelheit, die Raumwirkungen neutralisiert. Generell etabliert Markus Welters Inszenierung ihren Spielraum für creative killings weder im Landschaftlich-Atmosphärischen noch im Spacigen von Pilzvisionen, sondern im Beziehungsgefüge der Figuren: Da werden Schablonen, die, als solche eingesetzt, ihren Sinn hätten, unter Mühsal dialogisch ausstaffiert.

Immerhin, es gibt Schauwerte: schön gestaffelte Baumgruppe da, effektvoll-schlichte Kranfahrt dort, ein Todesstich mit vorspringendem Augapfel, der in rüden Intimkontakt mit unseren stereoskopisch gereizten Stielaugen tritt. Der Rest ist Routine. Das gilt auch für das surprise ending: Alles war ganz anders - ohne dass man mitbekommen hätte, dass es überhaupt irgendwie war.

Hierzulande wird die Ösi-Schweizer Koproduktion mit Verweis auf Sabrina Reiter - beliebt aus den weit gewitzteren "In 3 Tagen bist du tot“-Filmen, hier in der Hauptrolle unterfordert - beworben. Wohl eher für Schweizer Märkte gedacht ist der im Promomaterial auftrumpfende Sager, dies sei "kein Hollywood-Import, sondern Made in Switzerland!“ Wir atmen auf: einmal nicht der Schas, der da von Chaplin bis Scorsese immer aus Hollywood kommt - endlich helvetische Qualitätsware!

Ab Fr in den Kinos (in 3 D)


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