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Falter & Meinung | Armin Thurnher | aus FALTER 38/11 vom 21.09.2011

Maß halten! Diese Aufforderung gilt heute als unverständlich. Welches Maß denn, woran wäre Maß zu nehmen in der allgemeinen Maßlosigkeit? Ab welcher Einkommenshöhe wäre Maßlosigkeit erlaubt? Und welche Sucht wäre in unserer Suchtgesellschaft mit dem Appell zu bekämpfen, man möge einfach Maß halten?

Wenn die Forderung, Maß zu halten, mit der Notwendigkeit, Abstand zu nehmen, verknüpft wird, kann das manches erleichtern, aber auch erschweren. Meine beiden Stellvertreter müssen das derzeit schmerzhaft einsehen. Florian Klenk und Klaus Nüchtern befinden sich derzeit in Karenz. Der Erste hält es in der Erntezeit der Skandalrepublik beinahe nicht mehr bei seinen bezaubernden Zwillingen aus. Täglich schütten ihn Informanten mit Hinweisen zu, tragen Akten vor sein Haus, weisen ihn auf Prozesstermine hin. Allein, bis 1. Dezember muss er noch Abstand halten. Schon zittern die Korruptionisten vor seiner Rückkehr.

Nüchtern hingegen ertappte ich kürzlich, als er gegen 20 Uhr das Büro betrat, die Schirmmütze tief in die Stirn gezogen. Was er da mache? Ach, nur ein paar Bücher holen. In Wahrheit sog er sehnsüchtig die muffige Luft seines Büros ein. Am 1. Jänner kehrt er wieder, triumphal begleitet von neuen Bucherscheinungen.

Was Maß halten auch bedeuten kann, lernt man bei Birgit Wittstock, die über das Wiener Oktoberfest berichtet. Einst arbeitete sie als Kellnerin auf der Wiesn. Und hielt Maß. Vierzehn auf einmal; mit dem Gewicht der Krüge (je 1,2 kg) macht das knapp über 30 Kilogramm.


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