Glosse

Politische Phrasen: Bürger oder Mitbürger, das ist nicht einerlei

Sprachkritik

Falter & Meinung | Barbara Tóth | aus FALTER 38/11 vom 21.09.2011

Es lohnt sich, genau hinzuhören, wenn Politiker sich entschuldigen. ÖVP-Chef Michael Spindelegger versuchte in der "Pressestunde“ vergangenen Sonntag, den von seiner Innenministerin Maria Fekter angestellten Vergleich zwischen Bankenkritik und Judenverfolgung zu glätten. "Jüdische Mitbürger“ dürften nicht "gekränkt werden“, sagte er. Was aber impliziert der Begriff "Mitbürger“, den wir oft auch im Zusammenhang mit "ausländischen Mitbürgern“ aus Politikermündern hören?

Nur vordergründig täuscht die Silbe "Mit-“ Empathie vor. Das Wort Bürger braucht keinen ergänzenden Firlefanz. Mitbürger sind die, die nur mit dabei sein dürfen, wenn wir es wollen, nicht, weil sie das Recht dazu haben. Das war der - durchaus kränkende - Subtext Spindeleggers, ob bewusst oder nicht, sei dahingestellt.


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