Die Kinder von Moldawien

Politik | Reportage: Sibylle Hamann / Chisinau | aus FALTER 38/11 vom 21.09.2011

Die Eltern putzen in Europa oder arbeiten in Russland illegal am Bau. Die Kinder bleiben zurück. Was geschieht, wenn einer Gesellschaft die mittlere Generation abhandenkommt?

Veronika ist außer Atem. Es ist heiß und staubig, aber sie wollte ganz schnell die Fotos holen. Das ist sie, die Mama, sagt Veronika stolz, und zeigt auf eine großgewachsene Frau mit langen, dicken, dunkelblonden Haaren. Die Frau steht lächelnd vor der Markise einer Trattoria. Anfang 30 wird sie sein. Auf einem anderen lehnt sie lässig an einem Geländer vor einem Kanal. Venedig?, fragt Veronika, aber nein, Venedig ist es nicht. Ein Foto im glitzernden Schnee, die Moonboots der Frau haben tiefe Abdrücke hinterlassen. Sie blinzelt gegen die Bergsonne, im Hintergrund eine Almhütte. Südtirol vielleicht? Ein Ausflug, von Meran oder Bozen aus?

Veronika ist elf. Sie hat die gleichen glatten, dicken, dunkelblonden Haare wie die Frau auf dem Foto. Sie weiß, dass ihre Mutter in Italien ist. Dass sie dort bei einer alten


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