Mediaforschung

Verführt Ihre Werbung Kinder zum Konsum, Herr Hromatka?

Nachfragekolumne

Medien | Joseph Gepp | aus FALTER 38/11 vom 21.09.2011

Nein, nein, nein. Strenge Eltern wiegeln ab, als ihre Kinder sie schüchtern um Geld für nicht näher definierte Anschaffungen bitten. Dann aber: "Ja“. Ein sanft lächelnder Bankbeamter drückt einem Teenager-Buben, der sein Glück kaum fassen kann, eine nagelneue Kontokarte in die Hand. Auf dass alle seine Wünsche in Erfüllung gehen.

Seit April wirbt ein TV-Spot der Erste Bank für das Jugendkonto Spark7. Man kann es schon im zarten Alter von zehn eröffnen, sofern die Eltern einverstanden sind. Alle Wünsche gehen dann zwar trotzdem nicht in Erfüllung, denn das Konto für Kleine verfügt über keinen Kreditrahmen. Dennoch suggeriert die Werbung, dass man mit Spark7-Konto vor dem elterlichen Diktat in die absolute Konsumfreiheit entfliehen könnte.

Ist das die richtige Botschaft in Zeiten, in denen sich gerade Jugendliche immer höher verschulden, meist durch Handy-Rechnungen oder Internetkonsum? Ist es nur unnötige Schikane, wenn Eltern ihren Kindern Konsumwünsche verwehren? Verleitet die Werbung Jugendliche gar zum unreflektierten Konsum?

"Wir haben das eigentlich anders gemeint“, antwortet Christian Hromatka, Sprecher der Erste Bank. "Absichtlich und dezidiert“ wurden "keine konkreten Wünsche angesprochen, weil wir uns dieses Problems durchaus bewusst sind“. Jugendliche seien eben "oft in einer Welt aus Neins gefangen“ - und ein eigenes Konto lehre sie finanzielle Selbstständigkeit. Unreflektierter Konsum solle nicht die Botschaft sein, meint Hromatka. "Und wir hoffen, dass das auch nicht so rüberkommt.“

Es kommt leider so rüber - zumal in der Schlussszene des Spots der Bub zwischen herumschwebenden T-Shirt-Motiven und Platten-Covern steht. Und sein Glück immer noch kaum fassen kann.


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