Buch der Stunde

Zauberische Natur und praktischer Nutzen

Feuilleton | Sebastian Kiefer | aus FALTER 38/11 vom 21.09.2011

Der Monsun mag toben, Kübel von Schmutz mögen sich über sie ergießen - die Lotusblume bleibt unbefleckt, wie von Zauberhand gereinigt. In indischen Mythen kommt ihr daher seit Jahrtausenden eine Schlüsselrolle zu. Buchstäblich perlt alles an ihr ab: Wasser rinnt nicht, sondern rollt in Tropfen herab. Die Tropfen nehmen den Staub mit, der auf der Oberfläche sitzt, weil sie mikroskopisch fein geraut ist. Ihr Zauber ist ungebrochen, auch wenn wir heute das molekulare Prinzip verstehen und nachahmen können. Die Disziplin, die das tut, nennt sich Biomimetik oder Bionik. Sie verwandelt die zauberischen Fähigkeiten der Natur in praktischen Nutzen, in diesem Fall profane Farben und Lacke, die sich selbst reinigen.

Unserer Bewunderung für die Natur tut das keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Das Entzaubern wird zu einem Verzaubern auf neuer Stufe, aus trüber Sentimentalität wird wissendes Staunen. Wie das möglich ist, kann man kaum besser lesbar und anschaulicher bebildert erfahren als


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