Ohren auf

Allerlei hübsches Liedgut aus ganz Europa

Sammelkritik: neue Singer/Songwriterinnen

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 38/11 vom 21.09.2011

Wenn Buben dieser Tage unter dem Namen Girls musizieren, ist es nur konsequent, dass Mädels ihre Band Boy nennen. Die zwei Boys sind Valeska Steiner aus Zürich und Sonja Glass aus Hamburg, ihr Debüt "Mutual Friends“ (Grönland) eröffnen sie mit dem Versprechen "This is the beginning of anything you want“. Diese Ankündigung erweist sich zwar als etwas gar zu vollmundig, auffällig hübsch ist der mal sanftmütige, dann wieder etwas forscher angelegte Songwriterpop des Duos aber allemal. Bei einigen Songs trommelt übrigens Thomas Hedlund von der französischen Popband Phoenix, deren Luftigkeit und Melodieseligkeit auch Boy auszeichnet.

Unter die Rubrik "entzückend“ fällt der zarte Folkpop der spanischen Singer/Songwriterin Ana López alias Anni B Sweet. Mit glasklarer Stimme singt sich die 23-Jährige zu meist zart hingetupfter Musik durch ihr erstes Album "Start Restart Undo“ (Sony). Bei aller Lieblichkeit wird sie dabei nie wirklich kitschig, was unter anderem auch zu einer sehr schönen Balladenversion von "Take on Me“ führt, dem immergrünen 80er-Synthiepop-Hadern von A-ha.

Weit dramatischer geht es auf "It All Starts with One“ (Balloon Ranger) zu, dem neuen Album der norwegischen Sängerin Ane Brun. Ihre stets im Vordergrund stehende Stimme ist gleichzeitig glockenhell und doch auch ein wenig mysteriös, die unkonventionell angelegte und meist auf die Essenz reduzierte Musik changiert zwischen unheilschwanger und wunderschön. Wer sich die Wartezeit auf das neue Album von Kate Bush verkürzen möchte, sollte mit diesen Liedern sehr gut bedient sein.

Mit ein bisschen gutem Willen und Aufgeschlossenheit bietet sich dafür auch "We Sink“ (Morr Music) von Sóley an, einer jungen isländischen Musikerin, die Freunden des Nordlichtpops als Mitglied der Band Seabear bekannt ist. Ihr Solodebüt bietet sanft das Herz rührendes und angenehm unaufgeregtes Liedgut, das bei aller Verspieltheit letztlich doch eher schlicht gehalten und unterm Strich ganz einfach sehr schön ist.


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