Menschen

Weltstädtchen

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler, Nathalie Grossschädl | aus FALTER 38/11 vom 21.09.2011

Wir sind wieder was. Weltstadt zum Beispiel. Oder besser: Weltstädtchen, man soll’s ja nicht übertreiben. So was in der Art dürften sich auch Elvyra Geyer, Maria Oberfrank und Zigi Mueller gedacht haben, die drei Erfinderinnen der MQ Vienna Fashion Week. Klingt gut. Wirkt aber nicht erst auf den zweiten Blick erschreckend provinziell. Klar ist es hübsch, möglichst vielen, möglichst jungen, schönen und fragwürdig gekleideten jungen Menschen das Thema Mode näherzubringen. Aber muss man deshalb gleich auf jeglichen Glam, Stil und Anspruch verzichten? So waren bei der MQ-Modewoche vor allem das MQ-Facility-Personal und die Sicherheitsleute mit rasselnden Schlüsselbünden präsent. Die Lounge des Hauptsponsors Vöslauer sieht wahrscheinlich auf einer Pferdemesse in Tulln auch nicht anders aus. Stil geht anders. Und wo hat sich das Publikum bloß das affektierte Getue abgeschaut - bei "Austria’s Next Topmodel“? Aufbrezeln war angesagt. Goutiert wurde das Ganze mit wohlwollenden Blicken und Entzückungsschreien à la "Ahhh, schau die mit dem roten Tutu-Kleid - ein Traum!“. Bei den Schauen ging es nicht weniger spektakulär zu - zumindest am Samstag bei Marcel Ostertag und Lena Hoschek. Ostertag ließ seine Models in wallenden Seidenkreationen und transparenten Kleidern über den Laufsteg spazieren. Hoschek setzte indessen auf 60er-Jahre-Mode, die Betty Draper, die Joan Holloway in der Serie "Mad Men“, tragen könnte: Petticoats, Bleistiftröcke, hochgeschlossene Rüschenblusen. Bella!

*

Blöderweise, wo’s hier grad um supere US-Fernsehserien geht, ist uns entfallen, wer uns die Geschichte mit dem Modelabel aus Graz erzählt hat, dessen Betreiberin ein großer Fan der Vampirserie "True Blood“ ist und die deren Ausstatterin ein paar Kleidungsstücke nach Hollywood geschickt hat. Jedenfalls trägt Rutina Wesley, sie spielt die "Tara“ in der soeben zu Ende gegangenen vierten Staffel der Serie, in einer Folge ein T-Shirt aus Graz. Beweise und Hinweise bitte an den Zoo. Das wollen wir genauer wissen.

*

Im Rhiz präsentierte Crazy Bitch In A Cave sein neues, erstes Album: "Particles“. Und dafür hatte sich Patrick Weber, der Mann hinter CBC, extra Fuß- und Fingernägel golden lackiert, goldene Accessoires angelegt und ist in - goldene! - Stöckelschuhe gestiegen. Auch die Sängerin und der Sänger im Hintergrund hatten es golden, nicht nur in den Kehlchen. Hübsch war die Zugabe: Diana Ross’ "The Boss“ zeigte, wie man aus einer schon ganz schön verschnarchten Diskokönigin ein neues, bizarres Wiener Popwunder machen kann. Punkt Mitternacht verlautbarte unsere Lieblingsbitch dann noch, sie habe jetzt Geburtstag und das schönste Geschenk, das man nun machen könnte, wäre: CDs kaufen. Alles Gute!

*

Birgit Sarata, Besitzerin einer beeindruckenden Zuckerwattefrisur, bekam das Goldene Ehrenzeichen. Wofür? Für ihre "Verdienste um die Republik“. Allerdings ist das nur ein weiteres Amulett an der ohnehin schon hoch dekorierten Gesellschaftsdame. Auch Glückwunsch.

*

Und dann war da noch die Premiere des Musiklustspiels "Sister Act“, besser bekannt als der Film mit Whoopie Goldberg. Und der war schon nicht lustig. Als Musical ist das Ganze ein echter Quatsch, aber irgendwie musste man schließlich eine Geschichte rund um ein Sackerl Kelly’s Erdnussflips bauen. Deutsch gesungen klingen die Soul-Nummern wie dürre Songcontest-Beiträge von Stefan Raab, da half’s auch nicht, dass "Sister Act“-Actrice Ana Milva Gomes eine Wucht ist. Hauptstädtchenniveau.

Achtung!

Schach/Rätsel finden Sie ab sofort in der Falter:Woche auf Seite 54

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige