Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Armin Thurnher | aus FALTER 39/11 vom 28.09.2011

Als Chefredakteur ist man Kummer gewöhnt. Gute Tipps werden in den Wind geschlagen, gibt man Anweisungen, werden sie garantiert nicht so verstanden, wie sie gemeint sind, nämlich als fürsorgliches, wenn auch möglicherweise leicht autoritäres Bemühen um das Beste des oder der jeweils Angewiesenen.

Derart um das Wohl seiner Mitarbeiter bemüht, gewöhne man sich beizeiten an Undank, Unverständnis oder gar Hohn. Fehler werden gnadenlos wiederholt, gebrandmarkte Umstandswörter werden umso großzügiger in Texte eingestreut, und ein Gedanke scheint erst dann vollendet aufzutreten, wenn ihm ein Gedankenstrich voranging.

Doch ist das alles - was er uns sagen will?, würde an dieser Stelle der Redakteur fragen. Nein, ist es nicht. Ich rede nicht von sprachlichen Unarten. Ich rede von Ernährung. Ingrid Brodnig, ein Monument der korrekten Lebensführung, weist auch dunkle Punkte auf. Ihr dunkelster ist die Mikrowelle. Eine solche steht im Trakt der Falter Verlagsgesellschaft. Wenn Brodnig, angestellt bei der Zeitschriftengesellschaft, sich meine Schlüsselkarte ausborgt, weiß ich, was los ist. "Dauert nur drei Minuten!“, ruft sie fröhlich und kehrt mit einem im Doppelsinne fertigen Teller dampfenden Kalbsbutterschnitzels Marke "Wirt z’Haus“ zurück.

Christopher Wurmdobler, meinen gastro-pädagogischen Frust bemerkend, kommentiert mitfühlend: "Sie ernährt sich halt so.“ Zieht die Schirmmütze in die Stirn und radelt nach Hause, wo ihn ein Püreechen aus raren Erdäpfelsorten erwartet.


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