Vor 20 Jahren im Falter  

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 39/11 vom 28.09.2011

Eins, uneins

Er scheint ja etwa so weit entfernt wie das Pleistozän, der Streit im Profil, der sich in einem Seinesgleichen zart ankündigte. Er sollte aber wenige Wochen darauf in den bis dato letzten wahrnehmbaren Streik der österreichischen Mediengeschichte münden. Es ging im Streit zwischen Herausgeber Peter Rabl und der Profil-Redaktion darum, ob Rabl die Interessen des Blattes als Vorstand der übergeordneten Holding ZVB vertreten könne und gleichzeitig Profil-Herausgeber bleiben dürfe. Rabl wollte, die Redaktion nicht.

Salomonisch, wie ich war, gab ich beiden Unrecht. Rabl, schrieb ich, könnte bei einem eventuellen Interessenkonflikt ebenfalls im Eigentum der Holding stehender Blätter (Wochenpresse, Basta und Trend waren zu nennen) keine rein im Interesse des Profil stehende Entscheidung treffen. Umgekehrt sollte es sich die Reaktion gesagt sein lassen, dass heute mit redaktioneller Unabhängigkeit ein Medium noch nicht gesichert sei, es bedürfe auch des Einflusses auf Vermarktung und Anzeigenverkauf. Rabl und Redaktionsvertreter Josef Votzi veröffentlichten "ein in trauter Gemeinschaft verfasstes, intern‘, in dem sie betonten, Redaktion und Herausgeber seien in dieser Frage zwar, uneins, aber nicht zerstritten‘. Die Positionen aber stehen unversöhnlich da.“ Was sich im wenige Wochen später ausbrechenden Streik zeigte.

Die Titelgeschichte befasste sich mit der Frage, ob Peter Pilz, der Spitzenkandidat der Rathausgrünen, nicht so etwas wie ein "besserer Zilk“ sei, und ging den sozialdemokratischen Wurzeln des Grünen nach.Thomas Vašek, der Autor des Porträts, schrieb: "Selbst seine Gegner schätzen an ihm, dem Kind aus einer Wiener Sozialdemokratenfamilie, dass er trotz aller Richtungsschwenks ein Sozialist geblieben ist.“ Pilz legte statt einer Koalitionsansage auch eine Liste vor, wie man rote Stadträte inhaltlich unterstützen könnte; auch im australischen Tasmanien funktioniere das so. 20 Jahre später fordert er eine "neue Mehrheit“ (Seite 14). AT


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