Meinesgleichen

Falter & Meinung | aus FALTER 39/11 vom 28.09.2011

Sido oder Jeannée - danke, ich nehme keinen von beiden

Sido sei der Held der Stunde, meinen manche. Nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Der deutsche Rapper maßregelte vergangene Woche in der ORF-Show "Die große Chance“ Michael Jeannée von der Kronen Zeitung auf die ihm anscheinend eigene manierenlose Weise: "Hey du, siehst aus wie’n Hausmeister“. Das mochte dem Milieu überaus angemessen gewesen sein und hob sich auch von der kriecherischen Haltung zweier anderer Juroren ab, die in Kenntnis der Macht des Kleinformats versuchten, Sido vor den Folgen seines Tuns zu warnen und ihn zum landesüblichen Kriechen vor dem mächtigen Blättchen zu verleiten.

Es spricht für Sido, dass er das nicht tat. Er wurde auch prompt mit einer saftigen Krone-Geschichte belohnt ("Sido: Drogen, Sex und derber Witz“), und Jeannée schrieb ihm einen Schleimbrief ("Ich bin Ihnen persönlich nicht gram …“). Aus dem fatalen Auftritt Jeannées mit dem Motorsägen imitierenden Heurigenwirt kann eine wunderschöne Männerfreundschaft entstehen. Es gibt Gemeinsamkeiten. Auch wenn in einer Rangelei unter Hausmeistern der Jüngere mit technischem K.o. gesiegt hat, ziehe ich es vor, mich mit keinem der beiden gemein zu machen. Konnte einen die Erledigung Jeannées (wie kam der überhaupt in die Sendung?) noch amüsieren, so empfinde ich doch den Juror Sido, der patzig und zufrieden den Richtergorilla gibt und jungen Leuten mitteilt, sie hätten sich soeben "zum Affen gemacht“, als letztklassig.

Quellen: Krone 23.9., 24.9.


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