Kommentar  

Wenn politische Balkonmuppets auf die Barrikaden steigen

Demokratiepolitik

Falter & Meinung | Barbara Tóth | aus FALTER 39/11 vom 28.09.2011

Der Bedarf an in Würde ergrauten Herrschaften, die uns den Weg durch die Unübersichtlichkeit und Unappetitlichkeit der Jetztzeit weisen, ist offenbar groß. Das zeigt nicht nur das Phänomen des "Empört euch!“-Apologeten Stéphane Hessel in Frankreich, sondern auch das ungebrochene Interesse an den großen Weltdeutungen des deutschen Altbundeskanzlers Helmut Schmidt in Deutschland. Spät, aber doch meldet sich nun auch in Österreich mit der Volksbegehren-Initiative "Mein Österreich“ die Politikergeneration jenseits der 65 zu Wort. Das ist einerseits gut so, weil in der ohnehin ausgedörrten Debattenlandschaft Österreichs jeder redlich gemeinte Impuls wertvoll ist. Und redlich sind die Anliegen der Politik-Haudegen allemal. Sie wollen mehr Transparenz bei Parteienfinanzierung und Korruption, ein direkteres Wahlrecht und die Abschaffung des Bundesrates zugunsten eines Rates von Länderverantwortlichen - wobei offen ist, ob eine Art erweiterte Landeshauptleutekonferenz den Föderalismus nicht eher stärkt als schwächt.

Gleichzeitig müssen sich Formationen wie "Mein Österreich“ - oder zuvor auch Hannes Androschs Bildungsvolksbegehren - immer auch die Frage gefallen lassen: Warum habt ihr nicht für Reformen gekämpft, als ihr in euren Parteien noch aktiv wart? Wieso findet sich mit Ex-Liberalen-Chefin Heide Schmidt vorerst nur eine prominente Frau unter euch zornigen Alten? Seid ihr am Ende nicht nur politische Balkonmuppets? Die wichtigste Frage müssen sich aber die Enkel der Muppetfiguren Statler und Waldorf stellen: Was tut ihr eigentlich dafür, dass eure Kinder euch dereinst nicht fragen: "Wo wart ihr, als Österreichs Demokratie zerbröselte?“


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