Ein ganz besonderes Exemplar

Feuilleton | Recherche: Matthias Dusini | aus FALTER 39/11 vom 28.09.2011

Erst berühmt, dann ausgestopft: Eine Ausstellung erzählt die unglaubliche Geschichte des Angelo Soliman

Ein gutaussehender junger Mann kommt als Flüchtling nach Österreich und schafft es durch die Protektion eines mächtigen Politikers in die höchsten Gesellschaftskreise. Charmant und eloquent, ist er das Schmuckstück jeder Party. Als er stirbt, ist seine Tochter entsetzt: Auf Veranlassung des Bundespräsidenten wird er ausgestopft und, nur mit Armani-Badehose und Rolex-Armbanduhr bekleidet, im Museum für Völkerkunde ausgestellt.

Was heute undenkbar wäre, passierte dem um 1721 geborenen Angelo Soliman, der als Kind aus seiner westafrikanischen Heimat entführt wurde und auf Umwegen in die Wiener High Society kam, wo er zum "ersten Fürstlichen Cammer-Diener“ des Fürsten Liechtenstein aufrückte und in derselben Freimaurerloge wie Wolfgang Amadeus Mozart verkehrte.

Heute ist Sexappeal das Kapital der Parvenüs, damals stand das exotische Erscheinungsbild so hoch im Kurs, dass "Hof-Mohren“


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige