Wenn aus dem Laderaum Klopfzeichen kommen

Feuilleton | Theaterkritik: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 39/11 vom 28.09.2011

30 Migrantinnen und Migranten erzählen: Das dokumentarische Projekt "Die Reise“ geht an die Grenzen des Theaters

Man reist ja nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen.“ Dieses in der Tourismusbranche gern verwendete Goethe-Zitat ist hier denkbar fehl am Platz. Die 30 Menschen, die im Volkstheater von ihrer "Reise“ erzählen, sind ausschließlich gereist, um anzukommen. Auch wenn sie oft nicht genau wussten, wo.

Der kleine Azamat ist mit seiner Mutter zu Fuß aus Tschetschenien nach Österreich geflohen, da war er noch "urklein“, zwei oder drei Jahre alt. Hafit aus Somalia fuhr mit 120 anderen Boat People in einem Fischerboot von Libyen nach Lampedusa; nur zwei von drei solchen Schiffen erreichen ihr Ziel. Asif aus Afghanistan kam als blinder Passagier in einem Lkw in den Westen; zur Ausrüstung der Flüchtlinge gehörte ein Stein, mit dem sie zur gegebenen Zeit auf die Ladefläche klopften, um den Fahrer auf sich aufmerksam zu machen.

Sie alle sind in Österreich gelandet. Und sie


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