Stadtrand 

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 39/11 vom 28.09.2011

Arbeit an Auslage: fiese Fensterfadesse

Den Sommer über konnte man in der Auslage einer kleinen Wiener Innenstadtkonditorei etwas Bizarres beobachten: Dort lag zwischen trostlos trockenem Altgebäck und ein paar vergilbten Papierblumen eine Tafel Schokolade; irgendwas Spezielles wahrscheinlich. Mäuse hatten an einem Eck die verblasste Verpackung angeknabbert und alle paar Tage fehlte mehr von der Schokolade. So etwas ist auch nur bei uns möglich. Überall auf der Welt machen sich Betreiber von Geschäften die Mühe, im Schaufenster ihre Waren hübsch zu dekorieren und anzupreisen. In Wien übernehmen also schon Nagetiere die Auslagengestaltung. Selbst ein Bäcker in irgendeinem x-beliebigen Kaff in Frankreich, Italien oder Griechenland schafft es, seine Waren appetitlich zu präsentieren. Für andere Sparten gilt das genauso. Also so, dass man den Unterschied zwischen Zoogeschäft und Installateur bemerkt. Da schaut man dann auch gerne hin - und kauft auch was. In Wien glauben die meisten Geschäftemacher, Fensterscheibenputzen wäre genug. Ist es aber nicht.


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