Prost!  

Überangebot killt Begeisterung und auch den Geschmackssinn

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Lemonsoda

Stadtleben | aus FALTER 39/11 vom 28.09.2011

Als in Österreich die Marktwirtschaft noch als koordiniert galt und der harte Schilling vor der großen jährlichen Italien-Fahrt gegen die wechselhafte Lira getauscht wurde, da gab es ein Getränk, auf das man sich schon die ganze Autofahrt lang freute: Lemonsoda. Säuerlich erfrischend und leicht gesüßt, inklusive Fruchtfleisch - so soll sich Erfrischung anfühlen. Die Zutaten kommen angeblich ausschließlich aus Italien und repräsentieren die Überwindung des Nord-Süd-Gefälles: Das Wasser stammt aus den Quellen von Crodo im Piemont und die Zitronen dazu werden an der Amalfiküste geerntet. Konsumierte man damals noch das begehrte Getränk in der Glaseinwegflasche, die man auf dem Heimweg noch schnell in Form des Sixpacks in den Kofferraum packte, so gibt sich diese Limonata aus dem Hause Campari mittlerweile auch im Aludosen- und Plastikflaschen-Look. Die Sehnsucht nach sonnengereiften Flüssigzitronen wurde kurze Zeit später von der eher erfolglosen italienischen Supermarktkette Più gestillt - sie importierte das Getränk, solange sie selber noch im Saft stand. Aber als die Dosen dann im regulären Supermarkt gestapelt wurden, da geschah etwas Merkwürdiges: Verfügbarkeit relativiert Begeisterung! Aber nein, mit der Verfügbarkeit kam erst das vernünftige Urteil. Und als auch eine andere kam und versuchte, ihr das Wasser abzugraben, die passiv-aggressive Biolimo Zitrone von Vöslauer, ja, da musste man sich dann doch irgendwann entscheiden. Und das Urteil lautet eindeutig: Lemonsoda! Ms


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