Ins Mark  

Gähnende Leere?

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 39/11 vom 28.09.2011

Anfang Mai wurde in der Grazer Sackstraße das Museum im Palais eröffnet. Es zeigt Teile der kulturhistorischen Sammlung des Universalmuseums Joanneum (UMJ). Die Besucher blieben bislang eher aus. Eva Marko, die Museumsleiterin, hat sich nun unlängst in der Stadtzeitung G7 mit folgender Aussage hervorgetan: "Schon die Neue Galerie war an diesem Standort gähnend leer.“ Diese Feststellung ist aus mehreren Gründen bedenkenswert.

Erstens ist es nämlich unüblich, öffentlich schlecht über Kollegen zu reden. Wie das Museum im Palais ist die Neue Galerie Teil des UMJ. Zweitens sollte man nicht schlecht über Kollegen sprechen, denen es ohnehin nicht gut geht. Die Neuaufstellung des UMJ wird die Neue Galerie merklich treffen, auch der Machtkampf zwischen UMJ-Intendant Peter Pakesch und Neue-Galerie-Chefkurator Peter Weibel wird nachhaltig Spuren hinterlassen. Weibel wurde ja bekanntlich gekündigt. Drittens entspricht die Feststellung von Marko nicht den Tatsachen. Zum einen sind die Verdienste der Neuen Galerie unbestritten, zum anderen verbuchte die Institution für zeitgenössische Kunst in ihrem letzten Jahr in der Sackstraße, das war 2009, eine Besucherzahl von rund 28.000. Gähnende Leere?

Was nun hat Eva Marko zu dieser Aussage getrieben? Unkenntnis? Verzweiflung? Boshaftigkeit? Was es auch gewesen sein mag, der Standort in der Sackstraße kann wohl kaum die Wurzel des Übels sein, dort halten es auch andere aus. Ist es vielleicht so, dass sich der Museumsbesucher von heute ein, wie hier zu lesen war, "unkritisches Abfeiern feudaler Herrscherkultur“ schlichtweg nicht zu Gemüte führen will?

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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