Menschen

Aus Zucker

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler, Ingrid Brodnig | aus FALTER 39/11 vom 28.09.2011

Neben der großen Baustelle, die früher einmal der Südbahnhof war und später einmal der Hauptbahnhof werden soll, steht ein neu aufpoliertes Gebäude. Das 21er Haus, das im vorigen Jahrhundert noch das 20er Haus war, ist nun fertig umgebaut vom Architekten Adolf Krischanitz. Künftig werden Agnes Husslein-Arco und das Belvedere dort zeitgenössische Kunst herzeigen, vergangene Woche gab es schon eine inoffizielle Eröffnung. Fragen Sie uns nicht, wieso wir dort zugegen waren. Jedenfalls tauchte dort irgendwann nach Mitternacht ein Miniatur-Nachbau des neuen 21er Haus auf. Das Modell bestand aber nicht aus Holz oder Plastik, sondern aus Zucker und Schokolade. Mmmmmh! Prompt stürzte sich auch schon die Partymeute auf den süßen Bau - was zur puren Verwüstung führte. Die ersten Gäste zupften noch vorsichtig an einzelnen Wänden, später bissen andere Besucher einfach so vom Zuckermuseum ab - auch tragende Wände. War das noch moderne Kunst oder schon Brutalität? Am Ende lag das 21er Haus in Trümmern. Oje.

Und nein, wir hier hinten waren nicht wie alle anderen bei Wolfgang Ambros und der Präsentation seines Buches. Dabei hatte uns der Verlag doch ausdrücklich eingeladen. Wenn Sie wissen wollen, wie es war, dann müssen Sie bei den Kollegen vom Feuilleton nachlesen (auf Seite 27 unten). Ach, und übrigens: Auch der Zickenkrieg zwischen Herrn Ambros und Reinhard Fendrich ist uns reichlich schnuppe. Wär ja noch schöner!

Stattdessen begeistert uns: Das Slash-Horror-Filmfestival im Filmcasino. Das geht zwar noch diese Woche weiter, allerdings haben Sie vielleicht das Beste schon versäumt. Nein, nicht die "Jeder kann ein Zombie sein“-Fete der Partyterroristen von Rhinoplasty. Wir meinen das deutsch-japanische Pink Musical namens "Underwater Love“ von Shinji Imaoka. Die Musik dazu kommt nämlich von Stereo Total, unserer Lieblingsband der Welt der Woche aus Berlin. Und deshalb waren Françoise Cactus und Brezel Göring, das Duo hinter dem Duo, persönlich nach Wien gereist, um im Kino einen kleinen Gig zu spielen und tüchtig Stimmung zu machen. Gig, das ist Musikersprech und bedeutet so viel wie Konzertchen.

Konzertchen zu dem zu sagen, was Marc Almond im Porgy & Bess abgesetzt hat, wäre fies. Das war kein Giggle, das war ein Auftritt. Almond, das wussten Sie vielleicht nicht, ist unser großer 80er-Jahre-Held, "Tainted Love“ und so. Vor allem ist er aber einer, der es geschafft hat, auch heute noch sehr cool zu sein: "Say Hello, Wave Goodbye“ als Dauerzustand. Allerdings sollte sich Herr Almond unbedingt eine bessere Begleitband organisieren, hörte man. Das gilt übrigens auch für die Produktion möglicher neuer Tonträger.

Dann noch die Popcornkinocenterfilmpremiere von "Wie man leben soll“, dem neuen Film von David Schalko. Der Film hätte auch heißen können "Wie man Leute für einen Film zusammentrommeln soll“. Nämlich nur die Besten. Die Romanvorlage hat Thomas Glavinic geschrieben, das Drehbuch Thomas Maurer. Und dann auch noch Josef Hader, Robert Stadlober und Roberto Blanco (!) vor der Kamera. Wahnsinn. Wir bleiben dran, wir sind ja nicht aus Zucker!

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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