Tiere

Butterflies

Falters Zoo | aus FALTER 39/11 vom 28.09.2011

Der Herbst bringt uns nicht nur die letzten wirklich schönen Tage, sondern auch ausgewählte Highlights der Marketingpraxis. Am 28. September ist Weltschulmilchtag! Diese elegante Kombination von vier unzusammenhängenden Hauptworten duftet schon nach erfahrenen Verkaufsexperten. Weil warum? Trotz EU-Förderungsprogramm für die vergünstigte Abgabe von "Schulmilcherzeugnissen“ (nein, keine Zeugnisse!) ist der Milchabsatz um 72 Prozent gesunken.

Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, texten Werbeagenturen mitreißende Marketinglyrik wie jene, der deutschen "Initiative Milch“: "Es geht heutzutage nicht nur um die Vermittlung der positiven Fakten zur Milch bei einer ausgewogenen Ernährung, es geht auch darum, Milch wieder als wertvolles Gut wahrzunehmen, was emotional aufgeladen ist und mit großer Selbstverständlichkeit in vielen Facetten konsumiert wird.“ Jawohl, emotional aufgeladene Milch! Krude Esoteriker wie Christian Anders vertreten deswegen lieber die Verschwörungstheorie der "Milchlüge“, weil in der Milch das Eiweiß Kasein "artfremd“ sei und so zu einer negativen Calcium-Bilanz, einer Übersäuerung des Bluts mit zu hohem Ammoniakgehalt und letztlich zu dem bekannt strengen Lulu-Geruch in öffentlichen Toiletten führt.

Aber auch Landwirte wie der bayrische Milchbauer Erwin Schneiderbauer sind davon überzeugt, dass geheime Mächte wie Illuminaten und Freimaurer die Milchpreise manipulieren. Und auch ich kann bestätigen, dass die Milch manchmal seltsam riecht und schmeckt.

Also weichen wir auf ein Folgeprodukt der Milch aus, die Butter. Passenderweise findet der "Tag des Butterbrots“ heuer direkt nach dem Tagesglobalmilchschüler (oder so) statt. Auch hier verschönen uns kreative Köpfe das Leben mit sinnstiftenden Parolen: "Achtung, fertig, Butterbrot!“ klingt noch relativ fettarm, warum nicht gleich sagen, was Sache ist: "Lass es buttern, Muttern“.

Und wieder lauert hier das Böse in Gestalt des Konsumengpasses: Die schwedische Zeitung Aftonbladet schockt mit Bildern von leeren Butterregalen und zitiert einen Marktanalysten des Molkereiverbands: "So früh wie heuer hat man nie mit der Butterknappheit zu kämpfen gehabt.“ Wer ist daran schuld? Nomen est omen - sicher die Butterfliegen, wie der Engländer Schmetterlinge nennt.

Peter Iwaniewicz ist Biologe und hat ordentlich Butter am Kopf

zeichnung: püribauer.com


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